Hearthstone: One Night in Karazhan – Ersteinschätzung

One Night in Karazhan Banner

Das Zaubererleben ist definitiv kein Zuckerschlecken: Runen und Sprüche wollen auswendig gelernt und dutzende Raben verschickt werden. Neben dem ganzen Pauken scheint es zudem als ob wirklich immer jemand einen Gefallen von dir haben möchte. “Öhm, hey du bist doch Zauberer… könntest du mir vielleicht…“ Nein! Ein Zauberer muss auch mal ausspannen können! Wer könnte es Medivh also verdenken seinen Freundeskreis nach Karazhan zu laden und die Party des Jahrhunderts zu feiern? Richtig, niemand könnte das.

One Night in Karazhan makes a hard man humble

Freundlicherweise hat Blizzard Medivh etwas Arbeit abgenommen und die Einladungen zur großen One Night in Karazhan-Expansion selbst verschickt. Auch wir Normalsterblichen, die eigentlich nicht auf der Gästeliste stehen sollten, haben dadurch eine Chance am ungezügelten Nachtleben in Azeroth teilzunehmen. Blizzard verlangt dafür wie bei Hearthstone-Abenteuern gewohnt eine Eintrittsgebühr von knapp 18 Euro, solltet ihr allerdings genug Gold auf eurem Account angesammelt haben könnt ihr die vier wöchentlich erscheinenden Flügel der Expansion auch für jeweils 700 Gold erkaufen.

Im neuen Hearthstone-Adventure erwarten euch dann ganze 45 neue Karten die ihr eurer Sammlung hinzufügen könnt. Jede Klasse erhält dadurch drei neue Karten, zusätzlich gibt es noch 18 neue neutrale Karten von denen wiederum fünf legendär sind und euren Decks ordentlich Aufschwung geben sollten. Die Präsentation des Abenteuers ist wie nicht anders erwartet bis ins letzte Detail durchgestylt und versprüht durchgängig seinen locker-leichten Charme. Überall gibt es kleine Details oder Geheimnisse zu entdecken.One Night in Karazhan 2

Festgefahren?

Viel mehr Worte wollen über den Singleplayerpart von One Night in Karazhan oder ONiK wie die eifrigen Zauberlehrlinge sagen würden (Zeit ist Geld!) eigentlich auch nicht verloren werden. Hearthstone-Veteranen werden ganz genau wissen worauf sie sich gefasst machen müssen, viel interessanter ist da doch schon die Kartenauswahl die Blizzard ONiK spendiert hat. Diese scheint auf den ersten Blick nämlich nicht sonderlich beeindruckend zu sein. Anders als noch im letzten Abenteuer führt die neue Expansion so beispielsweise kein neues Keyword ein, also eine neue Fähigkeit wie beispielsweise “Taunt“, “Charge“ oder eben wie zuletzt “Discover“. Wir schippern also in bekannten Gewässern umher. Größtenteils bekannte Effekte werden auf neue Art und Weise mit anderen vermischt.

Dafür versucht Blizzard allerdings den einzelnen Klassen mehr Identität zu verleihen, was ich als sehr lobenswert erachte. Rogues benehmen sich nun auch endlich wie Schurken und bekommen mit dem “Swashburglar“ und “Ethereal Peddler“ neue Werkzeuge um sich Karten der gegnerischen Klasse zu klauen und sie sogar vergünstigt zu spielen. Druids dürfen sich über neue Beast-Karten freuen, sodass der lang ersehnte Traum des funktionstüchtigen Beast-Druid-Decks endlich in greifbarer Nähe scheint, während Warriors sich hinter neuen Taunt- und Armour-Karten verstecken können. Gerade der von Blizzard angestrebte Deckarchetyp des Discard-Warlocks scheint mit Karten wie dem “Silverware Golem“ oder “Malchezaar’s Imp“ nicht nur interessant sondern möglicherweise auch durchaus spielbar zu sein.One Night in Karazhan 3

Neben dieser ausgiebigen Identitätspflege scheinen ONiK aber leider echte Gamechanger zu fehlen. In der League of Explorers-Expansion hatten quasi alle legendären Karten einen starken Einfluss auf die vorherrschende Meta des Spiels. Besonders Karten wie “Reno Jackson“ oder “Elise Starseeker“ ermöglichten völlig neue Spielstile. Schaut man auf die neuen legendären Karten von ONiK werden sich wenn überhaupt wohl nur zwei der fünf Karten im aktuellen Spiel behaupten können. Neben “Barnes“, der tatsächlich völlig neue Decks ermöglichen wird, und dem “Curator“, der in vielen Decks wohl als nette Ergänzung fungieren könnte, ist der Rest der Karten schlicht zu langsam oder zu leicht auszukontern. Ich schaue dich an “Moroes“.

Das schöne an der Hearthstone-Community ist aber, dass ihr diese Tatsache wohl ziemlich egal sein dürfte und sie gerade aufgrund der teils zu schwachen Karten Decks bauen wird, in denen sie funktionieren. Insbesondere die neuen Priest-Karten, von denen die Community Purify nahezu zerfetzt und zur schlechtesten Karte des Spiels ernannt hat, werden einige lustige Deckvarianten und denkwürdige Momente hervorbringen. Und alle die noch immer denken, dass Priests in ONiK hintergangen wurden, merkt euch meine Worte: Spätestens in drei Wochen wird es in Hearthstone nur so vor Dragon-Priests wimmeln. One Night in Karazhan 4

Und alle so: Meh?

Lohnt sich die Partynacht in Karazhan also? Ich würde sagen auf jeden Fall. Zum einen sind Partys immer eine tolle Sache, zum anderen werden sich einige Karten mit ziemlicher Sicherheit als essentiell für viele Decktypen herausstellen auch wenn sie jetzt vielleicht noch nicht danach aussehen mögen. Hierbei handelt es sich natürlich nur um eine Ersteinschätzung, wie sich das neue Abenteuer entwickeln wird werden letztendlich die nächsten drei Wochen zeigen.

Und selbst wenn die Karten nicht euer Fall sein sollten, lohnt sich der Trip nach Karazhan aber allein schon für den tollen und spaßigen Singleplayermodus, der mit viel Liebe und kleinen Referenzen vollgepackt ist. Natürlich werden die neuen Karten durchaus Auswirkungen auf die aktuelle Meta des Spiels haben, letztlich fällt das neue Abenteuer aber ein wenig zu zahm und nicht experimentierfreudig genug für meinen Geschmack aus. Die Jungs und Mädels von Blizzard betreten nur bereits ausgetretene Pfade und das ist ein wenig schade. Ein neuer Kartenstamm oder frische Keywords hätten dem Abenteuer meiner Meinung nach wirklich gut getan, aber man kann natürlich stets auf die nächsten Erweiterungen hoffen.

Icecrown Citadel anyone?

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